Bedrohungsmanagement einführen — vom Seminar zum System
Zwei Drittel der Kliniken melden mehr Gewaltvorfälle als früher. Verwaltungen, Jobcenter, Schulen, Unternehmen mit Kundenkontakt und Versorger erleben dasselbe. Die meisten Organisationen haben reagiert — mit Deeskalationstrainings. Was fast überall fehlt, ist das System dahinter: Wer nimmt eine Drohung entgegen? Wer bewertet sie? Wer entscheidet, wann die Polizei einbezogen wird? Wer kümmert sich um die Betroffenen?
Genau das bauen wir mit Ihnen auf – Aufbau in rund 90 Tagen.
Der Zeitrahmen setzt die Mitwirkung Ihrer Organisation voraus – benannte Ansprechpartner, abgestimmte Termine, zeitnahe Freigaben.
Der Ablauf in fünf Schritten
- Wahrnehmen
- Melden
- Bewerten
- Handeln
- Nachhalten
- Wahrnehmen
- Beschäftigte beobachten Verhalten – nicht Menschen. Verhaltensänderungen, Andeutungen oder der Missbrauch von Zugängen sind Signale, die vor einer Tat liegen.
- Worauf es ankommt: Verhaltensänderungen, Drohungen, Regelverstöße, auffällige Rückzüge oder der Missbrauch von Zugängen und Interna.
- Beschäftigte lernen, solche Signale einzuordnen – beobachten statt beurteilen, ohne Vorverurteilung einzelner Personen.
- Grundlage ist die Verhaltensbeobachtung: Was jemand tut und sagt, nicht wer jemand ist.
- Melden
- Ein Weg, der bekannt ist, ohne Denunziationsgefühl und mit Rückmeldung. Wir legen fest, wohin, in welcher Form und wie schnell gemeldet wird – so kurz, dass eine Meldung im Alltag tatsächlich passiert.
- Eine feste Anlaufstelle mit klarer Zuständigkeit – jede Beschäftigte und jeder Beschäftigte kennt den Weg.
- Melden wird als Fürsorge verstanden, nicht als Denunziation: Es geht darum, früh zu helfen, nicht zu verraten.
- Die meldende Person erhält eine Rückmeldung – so bleibt Vertrauen in den Weg erhalten.
- Bewerten
- Ein kleines Team aus HR, Sicherheit, Arbeitsschutz und Recht arbeitet mit sechs Prüffragen statt Bauchgefühl. So landet jeder Fall gleich sortiert: Wie ernst ist es, was ist schon passiert, wer muss einbezogen werden.
- Das Bewertungsteam prüft jeden Fall nach denselben sechs Fragen – nachvollziehbar und unabhängig von der meldenden Person.
- Ergebnis ist eine Einstufung mit nächstem Schritt – keine Einzelmeinung, kein Bauchgefühl.
- Jede Bewertung wird dokumentiert; das Verfahren hält einer späteren Prüfung stand.
- Handeln
- Verhältnismäßig, dokumentiert und mit klaren Schwellen für Polizei und Fachberatung. Ablauf- und Notfallkarten sorgen dafür, dass im Ernstfall niemand improvisieren muss.
- Gestufte Maßnahmen je nach Einstufung – vom klärenden Gespräch bis zur Schutzmaßnahme, immer verhältnismäßig.
- Feste Schwellen regeln, wann Polizei, externe Fachberatung oder weitere Stellen einbezogen werden.
- Ablauf- und Notfallkarten führen durch den Ernstfall – Entscheidungen sind vorbereitet, nicht improvisiert.
- Nachhalten
- Betroffene stützen, den Fall abschließen und aus dem Fall lernen. Die Erkenntnisse fließen zurück in Gefährdungsbeurteilung, Abläufe und Fortbildung.
- Betroffene und meldende Personen werden auch nach dem Fall begleitet – Nachsorge gehört zum Verfahren.
- Jeder Fall wird dokumentiert abgeschlossen, mit klarer Feststellung des Ergebnisses.
- Die Erkenntnisse fließen zurück in Gefährdungsbeurteilung, Abläufe und Fortbildung – das System lernt mit.
Was Sie bekommen
Standort-Check
Zwei Tage vor Ort: Wo stehen Sie, was fehlt, was ist in 90 Tagen machbar. Der Bericht passt direkt in Ihre Gefährdungsbeurteilung.
Bedrohungsmanagement einführen
Meldeweg, Bewertungsteam, Ablauf- und Notfallkarten, Führungskräfte-Workshop, angebundene Nachsorge, eine geübte Fallkonferenz. Dokumentiert für Arbeitsschutz und Unfallkasse.
Fortbildung Bedrohungsmanagement – inhouse für Erstbewerter und Bewertungsteam
Zwei Seminare befähigen Führungskräfte, Schlüsselrollen und das Bewertungsteam: Bedrohungen erkennen, richtig melden, Verhalten beobachten statt etikettieren. Details unter Seminare.
Zur FortbildungInnentäter-Baustein
Für Betreiber kritischer Anlagen und Unternehmen der sicheren Lieferkette: Zuverlässigkeit, Fremdpersonal, Personalsicherheitskonzept.
Mehr unter Innentäter-PräventionWas die DIN SPEC 14027 zum Bedrohungsmanagement beschreibt — und was der 90-Tage-Aufbau abdeckt
Die DIN SPEC 14027 (April 2026) führt Bedrohungsmanagement als eigenes Handlungsfeld der Unternehmenssicherheit. Sie versteht darunter das frühe Erkennen, Bewerten und Entschärfen möglicher Bedrohungen – ausdrücklich nicht nur ausgesprochene Drohungen, sondern auch leise Warnsignale – mit dem Ziel, Gefahren für Leib, Leben und Freiheit von Menschen sowie für wichtige Sachwerte abzuwenden (DIN SPEC 14027:2026-04, Abschnitt 14.1). Der Anforderungskatalog ordnet die Bausteine in Vorbereitung, Umgang mit Meldungen, Nachbereitung und Schulung (Anhang A.14, Tabelle A.11). Das ist derselbe Weg, den wir in 90 Tagen mit Ihnen gehen.
1. Wahrnehmen — Sensibilisierung und Führung
Die DIN bettet Bedrohungsmanagement in die Sicherheitskultur ein: Eine Richtlinie gibt ihm ein sichtbares Mandat und einen Rahmen für Konsequenzen bei nicht hinnehmbarem Verhalten. Alle Beschäftigten werden sensibilisiert, einzelne Zielgruppen gezielt trainiert. Führungskräften und Personalfunktionen kommt eine Schlüsselrolle zu, weil sie auffälliges Verhalten früh erkennen und den ersten Schritt einleiten; ihre Qualifizierung nennt die DIN unerlässlich (Abschnitt 14.2). Der Katalog empfiehlt außerdem, die Beschäftigten regelmäßig über Ziele, Rollen und Meldewege zu informieren – etwa über Notfallkarten und Intranet, verständlich und bei Bedarf mehrsprachig (Anhang A.14, Tabelle A.11, Nr. 2.7).
Im 90-Tage-Aufbau: Online-Kurs für alle Beschäftigten, Führungskräfte-Workshop, Ablauf- und Notfallkarten für jede Rolle.
2. Melden — ein Weg, der ankommt
Die DIN empfiehlt ein Meldesystem als zentrale Eingangsstelle, datenschutzkonform und verzahnt mit bereits bestehenden Hinweisgeberwegen, damit Hinweise nicht an mehreren Stellen versanden (Tabelle A.11, Nr. 2.3). Zur Meldekultur gehört, dass eine Meldung keine Nachteile für die meldende Person hat – auch dann nicht, wenn sich der Hinweis später als harmlos erweist – und dass die Beschäftigten das ausdrücklich erfahren (Anhang A.6, Tabelle A.1, Nr. 2.11).
Im 90-Tage-Aufbau: ein bekannter, niedrigschwelliger Meldeweg mit klarer Schwelle, abgestimmt mit Betriebs- oder Personalrat und Datenschutz.
3. Bewerten — Team statt Bauchgefühl
Die Bearbeitung konkreter Fälle liegt nach der DIN bei geschulten Bedrohungsmanagerinnen und -managern in einem interdisziplinären Vorgehen; ein strukturiertes Fallmanagement mit standardisierter Erfassung, Bewertung, Dokumentation und Nachverfolgung bildet das operative Rückgrat (Abschnitt 14.2). Der Katalog empfiehlt ein Team aus Sicherheit, Personal, Recht, Kommunikation und Arbeitsschutz mit Vertretungsregeln und Erreichbarkeit (Tabelle A.11, Nr. 2.2), strukturierte und erprobte Bewertungsverfahren sowie das Vier-Augen-Prinzip (Nr. 3.1) und feste Übergabepunkte zu Krisenstab, IT-Sicherheit, Datenschutz, Betriebsrat und Arbeitsschutz (Nr. 2.5).
Im 90-Tage-Aufbau: ein benanntes Bewertungsteam mit Leitfragen, Dokumentationsstandard und Datenschutzkonzept; zwei Tage Schulung des Teams.
4. Handeln — abgestuft und vorher festgelegt
Die DIN empfiehlt eine Stufenlogik von der bloßen Beobachtung bis zur Einbindung der Polizei, mit vorab festgelegter Zuständigkeit für jede Maßnahme (Tabelle A.11, Nr. 3.2). Als externe Anlaufstellen nennt sie Sicherheitsbehörden, Schutzeinrichtungen wie Frauen- und Männerhäuser sowie Deradikalisierungs- und andere Fachstellen (Abschnitt 14.3).
Im 90-Tage-Aufbau: Stufenmodell mit Ampel, Ablaufkarte für jede Stufe, Kontaktliste zu Polizei, regionalem Netzwerk und Fachberatung.
5. Nachhalten — Abschluss, Nachsorge, Lernen
Der Katalog empfiehlt einen strukturierten Fallabschluss mit anschließender psychosozialer Begleitung und Nachverfolgung der Betroffenen (Tabelle A.11, Nr. 3.3), eine geschützte Dokumentation, die nur dem Team zugänglich ist (Nr. 3.5), die Auswertung von Trends (Nr. 3.4), eine regelmäßige Überprüfung der Abläufe und mindestens eine realitätsnahe Übung im Jahr (Nr. 4.1, 5.3). Ein Grundsatz aus der Schutzbedarfsermittlung gilt dabei besonders: Dass bisher nichts passiert ist, belegt noch kein wirksames Bedrohungsmanagement (Abschnitt 5.2.3.1, Anmerkung).
Im 90-Tage-Aufbau: angebundene Nachsorge (Betriebsarzt, Unfallkasse, psychologische Erstbetreuung), eine geübte Fallkonferenz, Dokumentation für Gefährdungsbeurteilung und Arbeitsschutz-Ausschuss, jährliche Auffrischung und Übung.
Für wen wir arbeiten
Behörden und öffentliche Einrichtungen
Bürgerbüro, Leistungsbescheid, Hausverbot, Außendienst.
Bezug zu: Arbeitsschutzgesetz, DGUV, Gewaltschutzkonzepte der Länder
Bedrohungsmanagement kennenlernenKliniken und Pflege
Notaufnahme, Station, Pforte, Verwaltung: Deeskalation ist geschult, das Bewerten fehlt.
Bezug zu: Arbeitsschutzgesetz, DGUV, Gefährdungsbeurteilung
Bedrohungsmanagement kennenlernenKRITIS und sichere Lieferkette
Versorger, Luftfracht, Logistik, regulierter Mittelstand: die Bedrohung von innen.
Bezug zu: KRITIS-Dachgesetz, Luftsicherheitsrecht, DIN SPEC 14027
Bedrohungsmanagement kennenlernenSchulen
Lehrkräfte, Sekretariat und Beratungsstellen mit einem Bedrohungsmanagement, das im Alltag gelebt werden soll.
Bezug zu: Arbeitsschutz, Schulrecht, Fürsorgepflicht
Bedrohungsmanagement kennenlernenUnternehmen mit Kundenkontakt
Kundencenter, Wohnungsunternehmen, Verkehrsbetriebe, Handel.
Bezug zu: Arbeitsschutzgesetz, DGUV, ISO-Managementsysteme
Bedrohungsmanagement kennenlernen
Online-Kurse mit Ihrem Meldeweg
Wir entwickeln drei Online-Kurse – für die Leitung, für alle Beschäftigten und für Führungskräfte – mit dem echten Meldeweg Ihrer Organisation.
Online-Kurse anfragenWarum Regeln allein nicht schützen
Regeln schützen nicht. Kultur schützt. Entscheidend ist, was Menschen im Alltag tun: ob sie Beobachtungen melden, ob Führungskräfte Sicherheit vorleben und ob Fehler zum Lernen genutzt werden.
Sicherheitskultur ist messbar, gestaltbar und führbar. Wir verbinden die Praxis der Luftsicherheit mit angewandter Psychologie und prüfen, wie Regeln, Arbeitsbedingungen und Verhalten tatsächlich zusammenwirken.
Sicherheitskultur erfassen
Wir betrachten Meldeverhalten, Führungsverhalten, Fehlerkultur und Regelakzeptanz. Daraus entsteht ein priorisierter Maßnahmenplan.
Arbeitsbedingungen verstehen
Wir prüfen, warum Regeln im Alltag umgangen werden. Zielkonflikte und Verhaltensanreize werden sichtbar.
Führung befähigen
Führungskräfte lernen, Sicherheit sichtbar vorzuleben und einzufordern. Sie nehmen Meldungen verlässlich an und geben sie weiter.
Wirksam fortbilden
Fortbildung wird als Verhaltensimpuls geplant, nicht als Pflichtveranstaltung. Wirkung und Transfer werden nachvollziehbar geprüft.
Warum das Seminar nicht reicht
Ihre Unfallkasse schult Deeskalation — gut so. Aber sie baut nicht Ihren Meldeweg, Ihr Team und Ihren Ablauf. Das Seminar ist der Anfang. Wir machen das System daraus, und wir arbeiten dabei gern mit Ihrer Unfallkasse zusammen.
Warum wir
Kai Siebert ist seit 2011 vom Luftfahrt-Bundesamt zugelassener Ausbilder — in dem Bereich, in dem der Umgang mit aggressiven und auffälligen Personen seit 20 Jahren geprüfte Pflicht ist. Sein Master in Angewandter Psychologie hat die Schwerpunkte Kriminalpsychologie, Psychologie der Einflussnahme, dunkle Persönlichkeitsmerkmale und Organisationspsychologie. Susann Lübbe, Wirtschaftspsychologin mit Erfahrung beim Luftfahrt-Bundesamt, verantwortet Führungskräfte-Workshops und die Schulung der Bewertungsteams. Diese Kombination aus behördlich geprüfter Sicherheitspraxis und Psychologie ist die Grundlage unserer Arbeit.
Mehr über unsWas wir nicht anbieten
Keine Fallberatung im Akutfall und keine Risikoeinschätzung einzelner Personen. Dafür gibt es Polizei, regionale Netzwerke und spezialisierte Institute — wir sorgen dafür, dass Sie den Weg dorthin kennen, bevor Sie ihn brauchen.
Fragen, die wir oft hören
Wir haben Deeskalationstraining. Reicht das nicht?
Für die Situation am Schalter, ja. Nicht für die Frage, was danach passiert: melden, bewerten, entscheiden, nachsorgen. Das bauen wir.
Unsere Unfallkasse schult uns kostenlos.
Gut so. Sie baut aber nicht Ihren Meldeweg, Ihr Team und Ihren Ablauf. Wir setzen darauf auf und arbeiten mit Ihrer Unfallkasse zusammen.
Brauchen wir dafür einen ausgebildeten Bedrohungsmanager?
Nicht zwingend. Sie brauchen ein Bewertungsteam mit klaren Rollen. Wenn Sie schon jemanden ausgebildet haben, umso besser: Wir bauen das System um diese Person herum.
Bewerten Sie Personen?
Nein. Wir schulen Beobachtung, Meldung und strukturierte Erstreaktion. Keine Täterprofile, keine Diagnosen, keine Fallberatung im Akutfall.
Was kostet das?
Standort-Check, Aufbau und Fortbildung sind klar abgegrenzte Leistungen. Wir nennen Ihnen den Preis nach dem Strategiegespräch – ohne versteckte Tagessätze.
Wie lange dauert der Aufbau?
90 Tage vom Standort-Check bis zur geübten Fallkonferenz. Danach folgen Auffrischung und Wirksamkeitsprüfung.
Der erste Schritt kostet nichts
Zehn Fragen, fünf Minuten, Ergebnis per E-Mail. Oder ein vertrauliches Strategiegespräch – ohne Verkaufsdruck.
Luftsicherheit und sichere Lieferkette: aviation-security.org